Neues von der Huntington Forschung

Chorea Huntington, eine Nervenkrankheit (auch schon mal Corea Huntington). Für Betroffene und Angehörige

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Udo
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Beitrag: #29707 Udo
13.01.2013, 18:10

'Induzierte' Stammzellen bieten aufregende Vorteile

http://de.hdbuzz.net/88
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pumproom
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Forscher finden Steuerelement der Huntington-Krankheit

Beitrag: #30103 pumproom
01.03.2013, 08:08

Molekulare Troika reguliert Produktion eines schädlichen Proteins

Ein Verbund dreier Moleküle ist ein möglicher Ansatzpunkt für die Behandlung der Hirnerkrankung Chorea Huntington. Das berichtet ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn und der Universität Mainz heute im Online-Journal „Nature Communications“. Demnach kontrolliert der sogenannte MID1-Komplex die Herstellung eines Proteins, das Nervenzellen schädigt.
Chorea Huntington, auch „Huntington-Krankheit“ genannt, ist eine vererbbare Erkrankung des Gehirns, die sich als Störungen der Bewegung und Psyche äußert. In Deutschland sind derzeit etwa 8.000 Patienten von der Krankheit betroffen, pro Jahr gibt es einige hundert neue Fälle. Die Krankheit bricht meist im Alter von 35 bis 50 Jahren aus. Sie ist bislang unheilbar und führt unweigerlich zum Tode. Ursache ist ein besonderer Gendefekt: Auf der DNA, dem Träger der Erbinformation, sind gewisse Abschnitte als mehrfache Kopie aneinandergereiht. „Solche Wiederholungen findet man auch bei gesunden Menschen. Aber im Fall von Chorea Huntington sind diese Sequenzen länger als gewöhnlich“, erläutert Dr. Sybille Krauß vom DZNE in Bonn.

Die längeren DNA-Sequenzen bei Chorea Huntington führen dazu, dass ein Eiweiß mit dem Namen „Huntingtin“ nicht korrekt gebildet wird. Denn die DNA kommt einem Archiv gleich, das Baupläne für Eiweiße (Proteine) enthält. Fehler in der DNA spiegeln sich daher in fehlerhaften Proteinen wider. „Für den Organismus ist das Huntingtin lebensnotwendig. Es ist ein Multitalent, das für viele Vorgänge von Bedeutung ist“, unterstreicht Krauß. „Ist das Protein fehlerhaft, so führt das zum Absterben von Gehirnzellen.“

Im Fokus: die Proteinherstellung

In der aktuellen Studie nahmen die Wissenschaftler um Sybille Krauß und die Mainzer Humangenetikerin Susann Schweiger einen entscheidenden Schritt der Proteinherstellung unter die Lupe – die Translation. Dabei wird die Kopie der DNA, die sogenannte Boten-RNA, in den Eiweißfabriken der Zelle abgelesen. Bei Chorea Huntington enthält die Boten-RNA eine ungewöhnlich hohe Zahl aufeinanderfolgender CAG-Sequenzen – wobei das Kürzel CAG die Bauanleitung für den Proteinbaustein „Glutamin“ beschreibt.

Die sich wiederholenden Sequenzen – Forscher sprechen von „Repeats“ – haben unmittelbare Folgen: Glutamin wird vermehrt in Huntingtin eingebaut. Das Protein ist infolgedessen fehlerhaft. Sybille Krauß und Kollegen haben nun einen Verbund aus drei Molekülen identifiziert, der hier ansetzt. „Wir konnten zeigen, dass dieser Komplex an die Boten-RNA bindet und die Herstellung des fehlerhaften Huntingtins steuert“, sagt Krauß. Reduzierten die Wissenschaftler die Konzentration des sogenannten MID1-Komplexes in der Zelle, dann ging auch die Produktion des defekten Proteins zurück.

„Würde man einen Weg finden, auf diesen Komplex einzuwirken, etwa mittels Pharmaka, dann wäre es denkbar, die Herstellung des fehlerhaften Huntingtins direkt zu beeinflussen. Ein solche Therapie würde nicht erst bei den Symptomen, sondern bereits bei den Ursachen von Chorea Huntington ansetzen“, so Krauß.

Hintergrund:

Drei Moleküle kommen zusammen

Der Komplex umfasst das namensgebende MID1 sowie die Proteine PP2Ac und S6K. „Jedes einzelne dieser Proteine ist bekanntermaßen wichtig für die Translation. Wir haben herausgefunden, dass sie im speziellen Fall von Chorea Huntington gemeinsam an die CAG-Sequenzen andocken. Das war bislang nicht bekannt. Wir haben zudem festgestellt, dass die Bindung umso stärker ist, je länger die Repeats sind“, so Krauß. „Bei Sequenzen von normaler Länge konnten wir hingegen keine oder nur eine schwache Bindung beobachten.“

Die Bonner Molekularbiologin und ihre Kollegen untersuchten die Wirkung des MID1-Komplexes und das Zusammenspiel seiner Bestandteile in einer Serie aufwändiger Laborexperimente. „In diesem Projekt stecken mehrere Jahre Forschungsarbeit“, sagt Krauß. Neben biochemischen Verfahren verwendeten die Wissenschaftler auch Zellkulturen, überdies analysierten sie Proteine aus den Hirnen von Mäusen. Das Erbgut der Tiere war so verändert worden, dass es eine große Zahl aufeinanderfolgender CAG-Sequenzen aufwies, wie es für Chorea Huntington typisch ist.

Aus anderen Untersuchungen war bereits bekannt gewesen, dass das Protein MID1 bevorzugt an Boten-RNAs andockt. Nun konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass das Protein MID1 auch an Boten-RNAs mit überlangen CAG-Sequenzen bindet. Experimente zeigten außerdem, dass sich die Proteine PP2Ac und S6K bei Anwesenheit von MID1 ebenfalls an die RNA anlagerten. Doch diese Bindung blieb aus, wurde die Wirkung von MID1 eingedämmt. „Daraus können wir schließen, dass aus diesen drei Proteinen ein molekularer Komplex entsteht, der an die RNA gekoppelt ist. Das MID1 ist eine Schlüsselkomponente. Es scheint seine Partner zusammen zu halten“, kommentiert Krauß die Versuchsergebnisse.

Komplex steuert Proteinherstellung

Nachweisen konnten die Forscher außerdem, dass der MID1-Komplex die Translation von RNAs mit überlangen CAG-Sequenzen kontrolliert. Hierfür untersuchten sie verschiedene, speziell gezüchtete Zellkulturen. Die Zellen produzierten entweder normales Huntingtin oder aber – bedingt durch überlange Sequenzen im Erbgut – eine fehlerhafte Variante dieses Proteins. Durch ein „Knock-Down“ genanntes Verfahren drosselten die Wissenschaftler nun das Aufkommen von MID1 innerhalb der Zellen. Der Ausfall dieses Proteins, das ein wesentlicher Bestandteil des MID1-Komplexes ist, hatte unmittelbare Folgen: Die Herstellung des fehlerhaften Huntingtins ging zurück. „Die Produktion von normalen Huntingtin war jedoch nicht betroffen“, betont Krauß. „Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass der MID1-Komplex sehr spezifisch wirkt, nämlich auf RNAs mit überlangen CAG-Sequenzen.“

Hohe Spezifität

In dieser Wirkung sieht die Bonner Molekularbiologin eine besondere Chance, die Huntington-Krankheit zu behandeln: „Der MID1-Komplex ist ein vielversprechender Angriffspunkt für eine Therapie. Denn über ihn besteht die Möglichkeit, die Herstellung nur des fehlerhaften Huntingtins zu unterdrücken. Für das normale Huntingtin gäbe es dann keine negativen Folgen. Das ist der Clou an der Sache. Das normale Protein wird nämlich im Körper der Patienten ebenfalls produziert und ist wichtig für den Organismus.“

Ein geeigneter Wirkstoff zeichne sich noch nicht ab, meint Krauß. Die nächste Entwicklung sei aber abzusehen: „Wir wollen nun mögliche Substanzen im Labor testen“, sagt sie.

Originalveröffentlichung
„Translation of HTT mRNA with expanded CAG repeats is regulated by the MID1-PP2A protein complex“, Sybille Krauß, Nadine Griesche, Ewa Jastrzebska, Changwei Chen, Désiree Rutschow, Clemens Achmüller, Stephanie Dorn, Sylvia M. Boesch, Maciej Lalowski, Erich Wanker, Rainer Schneider, Susann Schweiger, Nature Communications, DOI: 10.1038/ncomms2514 - http://www.nature.com/ncomms/journal/v4 ... s2514.html

Habe ich hier gefunden: http://www.idw-online.de/pages/de/news521033

Udo
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Beitrag: #31121 Udo
11.06.2013, 21:38

Neue Artikel aus der Huntingtonforschung

http://de.hdbuzz.net/topic/8
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Udo
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Beitrag: #31388 Udo
11.07.2013, 17:20

Hier kann man einmal im Huntingtonkurier blättern. Ist zwar etwas älter, aber trotzdem interessant. http://downloads.dhh-ev.de/HK_01_13_web.pdf
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pumproom
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Beitrag: #31606 pumproom
09.08.2013, 17:40

Hat zwar nicht direkt mit der Forschung zur HK zu tun, dennoch hier ein Link zu einem Artikel einer Tageszeitung. http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medi ... y/26205011

Im letzten Absatz steht zum Thema Autophagie folgendes:
Umgekehrt läuft es bei Patienten mit Parkinson oder Chorea Huntington – beides verheerende Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Hier bremsen die Nervenzellen ihr Selbstverdauungssystem aus. In der Folge häuft sich ein schädliches Protein an, worauf die Zellen letztlich sterben. Die Autophagie zu stärken, könnte hier womöglich den Krankheitsprozess aufhalten. Genau das bewirkt möglicherweise ein Medikament, das zurzeit in einer ersten klinischen Studie mit Huntington-Patienten getestet wird.

Mich verwirrt ein wenig das Datum des Artikels. Erstellt: 13.03.2012, 20:17 Uhr.Aktualisiert am 14.03.2012. Ich habe das erst heute in der Suchmaschine als aktueller Artikel gefunden. Weiß jemand über die Aktuallität der Studie etwas?

Beste Grüße
pumpromm

Udo
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Beitrag: #32394 Udo
08.12.2013, 23:42

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pumproom
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Beitrag: #32396 pumproom
09.12.2013, 11:32

Danke Udo, ein wirklich guter Artikel.
Wo holst du diese Informationen eingentlich immer her? Hast du die Festplatte voll mit Berichten und Beiträgen?

LG pumproom

Udo
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Beitrag: #32398 Udo
09.12.2013, 17:15

pumproom hat geschrieben:Danke Udo, ein wirklich guter Artikel.
Wo holst du diese Informationen eingentlich immer her? Hast du die Festplatte voll mit Berichten und Beiträgen?

LG pumproom


Muss gestehen, das ich diesen Artikel eher zufällig gefunden habe. War selber überrascht . Aber wenn man ein bißchen beim großen Alleswisser Google, Bing etc. rumschaut, findet man immer wieder irgend etwas neues. Allerdings habe ich auch das Buch, worauf sich dieser Artikel stützt.
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pumproom
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Defekte Gene reparieren ?

Beitrag: #32466 pumproom
20.12.2013, 12:24

Der Neurowissenschaftler Feng Zhang vom Massachusetts Institute of Technology in Cambride (USA) entwickelte ein Verfahren entscheidend weiter, mit dem sich Erbgut einfach und kostengünstig verändern lässt. Das ist eine wichtige Voraussetzung in der Genomforschung.
Zhang interessiert sich aber vor allem für die praktische Anwendung des Verfahrens: Er will damit defekte Gene reparieren und Krankheiten wie Chorea Huntington oder Schizophrenie heilen.

Quelle: http://www.focus.de/wissen/mensch/herau ... 92722.html

oder

Thirty-two-year-old Feng Zhang of the Massachusetts Institute of Technology in Cambridge is among those leading the charge in using a system called CRISPR/Cas to edit genomes cheaply, easily and precisely. In January, his group showed that the system works in eukaryotic cells — ones with membrane-bound nuclei, including those of all animals and plants. This confirmed its potential for tweaking the genomes of mice, rats and even primates to aid research, improve human-disease modelling and develop treatments (L. Cong et al. Science 339, 819–823; 2013).
But as hot as the story has been this year, “the CRISPR craze is likely just starting”, says Rodolphe Barrangou, a microbiologist at North Carolina State University in Raleigh.

Quelle: http://www.nature.com/news/365-days-nature-s-10-1.14367

Habt ihr davon schon gehört?

Michaela
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Beitrag: #32467 Michaela
20.12.2013, 13:15

Hallo Pumproom,

Danke für die Links. Super, dass Du die entdeckt und hier bereitgestellt hast.

Ich rate immer, beim Lesen von wissenschaftlichen Nachrichten vorsichtig zu sein mit der Euphorie, siehe auch http://de.hdbuzz.net/044

Schlage das doch als Thema für HDBuzz vor. Die machen daraus einen Artikel mit Hintergrundinformationen und erläutern, was das für die HK-Gemeinschaft bedeutet.

Hier der Link, wo Du Deine Links einreichen kannst:
http://de.hdbuzz.net/about/contact

Schönen Gruß
Michaela

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Beitrag: #32468 pumproom
20.12.2013, 14:20

Hi Michaela,

danke für den Link. Wusste gar nicht, obwohl ich gern auf HDBuzz zurückgreife, dass ich dort auch Vorschläge einreichen kann. Ich mache mich mal ans Werk.

Lieben Gruß zurück.
pumproom

Udo
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Beitrag: #32471 Udo
20.12.2013, 18:01

Ich hatte mir letztens darüber Gedanken gemacht, ob es nicht auch sehr viele unentdeckte Huntingtonerkrankte gibt? Und zwar , wo die Erkrankung nur sehr schwach ausgeprägt ist, und dies im ganzen Leben nie als Huntingtonerkrankung erkannt wird. Vielleicht hat der oder die Betroffene dann so umgangssprachlich seine "Macken" aber das wird eben so hingenommen, oder als irgendeinen Tick abgetan, und kleinere Macken haben ja viele. Auch Gesunde.

Gint es darüber eigentlich Erkenntnisse oder Forschungen ?

Ich könnte mir gut vorstellen, das dem so sein könnte.

Udo
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Michaela
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Beitrag: #32473 Michaela
20.12.2013, 18:38

Davon gehe ich aus, dem ist so. Und viele werden vermutlich gar nicht oder falsch oder viel zu spät diagnostiziert. Und das hat alles Auswirkungen auf zukünftige Generationen.

Bei HDBuzz gibt es einen Artikel über die "Grauzone" -> http://de.hdbuzz.net/027

Dr.Lange
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undiagnostizierte Huntington-Kranke

Beitrag: #32501 Dr.Lange
29.12.2013, 13:44

Die durchschnittliche Dauer vom Beginn der HK bis zur Diagnose sind 8 Jahre, d.h. schon mal, dass einige H-Kranke auch mehr als 10 Jahre unerkannt sind.
Als die HK im 3. Reich meldepflichtig war, hat man die Hälfte der Kranken nur durch Stammbaumforschung entdeckt. Nach ihnen hat nicht gesucht, um zu helfen, sondern um auszurotten.
Daher kann man bei genetischen Datenbanken nicht vorsichtig genug sein. Auch wenn man in Deutschland wahrscheinlich niemanden mehr aus genetischen Gründen umbringen wird, ist eine Diskriminierung im Öffentlichen Dienst und bei Versicherungen immer noch gegeben.
Dr.Lange

Udo
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Beitrag: #32507 Udo
29.12.2013, 20:40

Das stimmt. Die Lage von Huntingtonerkrankten, eigentlich von allen auffällig Erkrankten, war sicher grausig im 3. Reich. Aber auch vorher gab es wohl wenige bis gar keine Behandlungsmöglichkeiten . Auch da sah es nicht gerade rosig aus mit dem allgemeinen Umgang. Seien wir froh, das es heute wesentlich besser ist mit der medizinischen Versorgung.

Gruß, Udo
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